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Tritops Urlaubspage - Reisebericht Ägypten 1996


Die Felsentempel von Abu Simbel

Abu Simbel liegt 280 km südlich von Assuan. Also mitten in der Nacht aufstehen und eine ewige Busfahrt. Dafür durften wir einen wunderschönen Sonnenaufgang über der Nubischen Wüste erleben! Angenehmer ist ein Flug, der vor Ort gebucht werden kann, vorausgesetzt, man ergattert sich noch einen Platz.

Sonnenaufgang

Die Felsentempel wurden zur Rettung von der UNESCO in über tausend Blöcke bis zu 30 Tonnen Gewicht zersägt und 180 Meter landeinwärts 64 Meter höher wieder aufgebaut. Eine gigantische Kuppel wölbt sich über den "inneren" Felsenkammern und stützt die künstlich aufgeschütteten Berge. Bauzeit: 1965 - 68, Kosten 42 Millionen US-Dollar. Die künstliche Kuppel ist übrigens zu besichtigen!

Großer Tempel

Den Felsenpylon des Großen Tempels zieren 4 jeweils 20 Meter hohe Sitzstatuen Ramses II. Die Statuen stellen den lebenden Pharao dar, zu erkennen an den geöffneten Knien. Obersten Abschluss der Fassade bildet ein Fries mit 22 Pavianfiguren, die mit ausgebreiteten Armen die aufgehende Sonne anbeten. Hier wird der Sonnenkult besonders deutlich. Der Tempel wurde den Reichsgöttern Amun-Re (Süden), Horus (Norden), dem vergöttlichten Ramses und Ptah von Ramses ca. 1255 v. Chr. geweiht.

Felsenpylon des Großen Tempels

Die Standfiguren der Frauen und Kinder zu Füßen des Pharao sind immer noch überlebensgroß. Hier in Nubien tritt Ramses II als Gott unter Göttern auf, eine Daseinsform, die sonst nur verstorbenen Pharaonen zukam. So verehrt sich Ramses selbst, wenn er dem falkenköpfigen Gott Re-Harachte opfert. (In der Mitte über dem Eingang.)
Der Koloss links vom Eingang wurde übrigens wahrscheinlich schon zu Ramses Zeiten von einem Erdbeben zerstört. Als der gesamte Tempel 1817 von Belzoni aus dem Sand ausgegraben wurde, hat man ihn nicht gefunden.

Große Pfeilerhalle

Die Pfeilerhalle wird flankiert von acht 10 Meter hohen Ramsesstatuen, hier in Totenhaltung mit geschlossenen Beinen und überkreuzten Armen. Die Reliefs und die Decke sind teilweise noch original bemalt und lassen die ehemalige Pracht noch sehr gut erkennen.

Heiligtum

Nachdem viele Nebenräume für Kulthandlungen, Schatzkammern und Magazine besichtigt wurden, steht man vor dem Allerheiligsten. 64 Meter tief im "Fels" sitzen hier von links nach rechts: Ptah, Amun mit hoher Federkrone, Gott Ramses und der Sonnenfalke Re-Harachte. Der Tempel wurde so angelegt, dass jeweils zur Sommersonnenwende am 20. Februar und zur Wintersonnenwende am 20. Oktober die Sonnenstrahlen der aufgehenden Sonne das Heiligtum voll ausleuchteten. Gott Ramses bekam dabei am längsten Licht ab (so ein Zufall), Ptah am wenigsten. Da sich durch die Versetzung des Tempels die Ost-West-Ausrichtung etwas verschoben hat, tritt jetzt der Sonneneintritt auch um einen Tag verschoben ein. Das sollte aber der Magie dieser Erscheinung keinen Abbruch tun, denke ich.

Felsenpylon des Kleinen Tempels

Der Kleine Tempel wurde von Ramses II seiner Lieblingsfrau Nefertari und der kuhköpfigen Göttin Hathor geweiht. Die 10 Meter hohen Statuen zeigen Nefertari jeweils zwischen zwei Ramsesstatuen. Auch hier die Darstellung der Lebenden mit geöffneten Beinen und Armen. Bemerkenswert hier ist, dass die Figuren der Nefertari die gleiche Größe aufweisen wie die des Ramses. Er muss sie wohl sehr geliebt haben, dass er ihr diese Ehre zuteil werden ließ! Nirgends sonst sind Figuren gleich groß oder größer als Ramses Statue.

Hier an der Grenze des damaligen ägyptischen Reiches nach Süden sollten die Tempel wohl ein magisches Bollwerk gegen Eindringlinge darstellen. Sie demonstrieren die Macht der Pharaonen des Niltals. Die Menschen glaubten damals an die Macht der lebenden Bilder.

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