Von Edfu aus ging die Fahrt in die Nacht Richtung Assuan (Aswan). Ein besonderes
Erlebnis sollte die Einfahrt nach Aswan sein: Die Stadt hell beleuchtet,
ein wunderbarer Anblick. Da hier die Katarakte beginnen, ist für die Schiffe
hier Endstation. Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und
verbrachte die halbe Nacht an Deck.
Eine Urlaubskrankheit der Deutschen fiel mir in dieser Nacht besonders auf.
Bereits um 3 Uhr nachts schlichen die ersten mit ihren Handtüchern an Deck
und "reservierten" damit ihren Ruheplatz unter einem Sonnendach.
Meist wurde noch ein Buch draufgelegt. Tja, und tagsüber lag da die Reiselektüre
gemütlich weich auf einem Handtuch im Schatten an Deck und genoss die Aussicht,
während die Besitzer sich unter der unbarmherzigen Sonne Ägyptens von Steinhaufen
zu Steinhaufen quälten. Lustigerweise war "Sinuhe, der Ägypter"
besonders häufig zugegen, der ja eigentlich ein Sklave war, so wie unser
Volk wohl ein Sklave dieses merkwürdigen Triebes ist. ( Sorry, aber das
musste ich jetzt einfach los werden ;-) )
Eine Feluke brachte uns am nächsten Tag nach Kitchener Island. Von dort
aus ist auf dem Westufer das Kuppelgrab Qubbat al-Hawa zu sehen. Hier ist
der islamische Ortsheilige Scheich Ali Ibu al-Hawa bestattet. Unterhalb
sind noch etliche Felsengräber zu erkennen.
Die dunklen Granitfelsen sehen aus wie badende Elefanten. Die berühmte Insel
Elephantine hat deshalb ihren Namen noch heute nach Abu (bereits von den
Pharaonen so getauft), der Elefantenstadt. Auf dem Foto natürlich nur eine
sehr kleine Ausgabe.
Auf der Kitchener Insel befindet sich der botanische Garten von Aswan, den der britische Generalkonsul Lord Kitchener hier einst anlegte. Auf dem Foto eher die Wüstenflora, allerdings finden sich hier sämtliche tropischen Pflanzen, angefangen über sämtliche Arten von Palmen, Zitrusgewächsen, Blühpflanzen usw.
Die nächste Sehenswürdigkeit ist das Grabmal des Aga Khan, der hier, an seinem Lieblingsplatz, bestattet werden wollte. Er starb 80 jährig im Jahre 1957. Seit damals lässt seine Witwe Begum jeden Tag eine frische rote Rose von einem extra angestellten Gärtner auf seinen weißen Marmorsarkophag legen. In der weißen Villa unterhalb wohnte sie einmal im Jahr, inzwischen kommt sie aber aus Altersgründen nur noch sehr selten.
Da die alten Ägypter tonnenweise Granit für ihre Obelisken und anderen Bauwerke benötigten, sind über ganz Ägypten Steinbrüche verteilt.
Einer der berühmtesten davon ist der Rosengranit-Steinbruch in Assuan. Hier ist der unvollendete Obelisk aus dem 15. Jh. v. Chr., die Zeit der Hatschepsut, zu bestaunen. Er wäre mit 1168 Tonnen Gewicht, einer Höhe von 42 Metern und einer Basisfläche von 4,2 mal 4,2 Metern der größte Obelisk Altägyptens geworden. Da jedoch Obelisken immer aus einem Block hergestellt wurden und dieser Block zwei Risse aufwies, ließ man ihn unvollendet liegen. Sehr gut sind hier noch die Bearbeitungsspuren der Hartholz- und Metallkeile zu sehen.
In der Nähe befindet sich übrigens auch der fatimidische Friedhof, dessen Kuppelgräber Gedenkstätten für islamische Volksheilige darstellen.
Man sollte auch die Besichtigung des Sadd el Ali-Hochdammes nicht versäumen. Dieses Bauwerk wurde in 11 Jahren (1960 bis 1971) mit Hilfe von sowjetischen Krediten und Ingenieuren von 33 000 Ägyptern und 1900 Russen erbaut. Dieses Mammutprojekt verschlang ca. 4,3 Mrd. DM! Der alte, viel kleinere Staudamm (um 1900 errichtet) befindet sich 10 km nördlich.
Der erdbebensichere Schüttdamm beschreibt einen 111 Meter hohen Bogen
von 3,6 km Länge mit einer Breite von 980 Metern an der Sohle und 40 Metern
auf der Krone, insgesamt wurden hier 42,7 Millionen Kubikmeter Material
verbaut! Der Stausee ist 550 km lang (davon 200 km im Sudan), bis zu 20
km breit und rund 5000 qkm groß. Bei einem Dammbruch würden 157 Milliarden
Kubikmeter Wasser das Niltal überrennen.
Allerdings zeigen sich langsam auch Nachteile des Bauwerks. Das sowjetische
Angebot war das günstigste, dadurch verzichtete man auf westeuropäisches
Know-how. Jetzt verschlammt der gesamte See langsam. Den Feldern im Niltal
fehlen die jährlichen Überschwemmungen, dadurch versalzen sie und laugen
aus: es muss Kunstdünger eingesetzt werden. Die Töpfer- und Ziegelindustrie
verliert durch die fehlenden Überschwemmungen langsam ihren Rohstoff. Auch
das Klima rund um den See hat sich verändert: es regnet gelegentlich sehr
heftig. So hat der Fortschritt auch hier negative Folgen.
Assuan hat noch sehr viel mehr zu bieten: Das berühmte Old Cataract-Hotel, auf dessen Terrasse schon Agatha Christie den Sonnenuntergang genoss; die Insel Elephantine mit ihren Ausgrabungsstätten und dem Aswan Oberoi-Hotel, eines der exklusivsten Häuser Ägyptens; der Kalabsha-Tempel südlich von Assuan und nicht zu vergessen das Assuan-Museum.
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