Am
nächsten Morgen war der Reifen hinten links fast platt. Also folgte erst mal eine Werkstattpause in Vík vor der Fahrt ins Hochland.
Durch Mýrdalssandur ging es dann bei Nieselregen am Flusslauf der Skaftá entlang in Richtung
Landmannalaugar, unser Tagesetappenziel. Zum Wasserfall des Flusses Sydriófxrá (uff) unternahmen wir einen kurzen Spaziergang durch eine verzauberte
Märchenwelt, in der man jeden Moment erwartet, auf Feen und Trolle zu stoßen. Eine Zauberwelt geformt aus Basaltsäulen,
zarte Pflänzchen dazwischen verstreut, die dem Wind trotzen, wie zum Beispiel diese Grasnelke.
Weiter ging es zum größten Eruptionsgraben der Erde, der Feuerschlucht Eldgjá. Sie
riss wahrscheinlich im Jahr 934 auf und eine ganze Landschaft buchstäblich auseinander. Der Fluss Ófxra fällt nun über mehrere Kaskaden nach unten.
Der Ófxrafoss war für seine Natursteinbrücke
berühmt, die jedoch leider vor einiger Zeit zusammengebrochen ist. Bei der Explosion floss übrigens die unvorstellbare Menge von 10 qkm Lava, sogenannte
Eldhraun, aus, die sich im Küstenvorland auf eine Fläche von 900 qkm verteilte. Man hat festgestellt, dass sich die Schlucht unter dem Gletscher noch
20 km fortsetzt. Die gesamte Länge beträgt also 60 km. Die eigentliche Feuerschlucht ist 5 km lang und bis zu 270 m tief bei einer Breite bis zu
600 m.

Da einen menschliche
Bedürfnisse auch in der Wildnis überkommen wurden überall, wo sich "vermehrt"
Touristen aufhalten, Toilettenhäuschen installiert. Die "Toblerone"
ist mit Stahlseilen gegen den stürmischen Wind gesichert.
Nach einer erneuten Flussdurchquerung kamen wir zu einem Aussichtspunkt. Hier hat man einen
schönen Blick auf die Piste F 22. Sie führt durch eine Landschaft so ganz nach meinem Geschmack. Auf der F 22 fuhren wir zu unserem dritten
Nachtlager: Landmannalaugar, 590 m über dem Meer gelegen. Wegen der kurzen Tagesstrecke blieb noch genug Zeit für eine tolle Bergtour durch die fantastischen
bunten Liparitberge der Umgebung. Hier hat der Regen einen Vorteil: Das feuchte Gestein präsentiert seine Farben in aller Pracht. Liparit, benannt
nach den Liparischen Inseln im Mittelmeer, auch Rhyolith genannt, ist ein helles kieselsäurereiches Ergussgestein mit Quarz und Feldspat als Einsprenglinge.
Der Rhyolith hat als Vulkanit die
gleiche Zusammensetzung wie der in der Tiefe auskristallisierte Granit. Das klingt jetzt furchtbar wissenschaftlich, ist aber atemberaubend schön anzusehen:
Rot, grün, gelb, grau, schwarz... Auf dem Foto die Brennisteinsalda (Schwefelspitze), 885 m hoch und der Obsidianstrom Laugahraun, unser Ziel der Tour.
Als Belohnung gab es diesmal keinen Wasserfall, sondern ein Solfatarenfeld.
"Postvulkanisches Ausströmen von Wasserdampf (100 - 200 Grad C) und Schwefelwasserstoff." Die aggressiven Wässer und Dämpfe sind einer der
wesentlichen Gründe, weshalb die Berge hier in verschiedenen Farben leuchten. Die starke hydrothermale Aktivität zersetzt das Gestein.
Die Nacht war
ruhig und am nächsten Morgen erwartete uns eine ganz besondere Art der
Morgentoilette.

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