Der fünfte Tag:

zur Detailkarte

 

Ein reiner Besichtungstag: Viel zum Anschauen, wenig zu fahren, dafür Baden im öffentlichen Bad (natürlich mit Hot-Pot) und Fliegen. Also mal was ganz anderes!

"Bergwerksberg" NàmafjallUnser erstes Ziel ist das Hochthermalgebiet Námafjall, nördlich des Mývatn gelegen, Teufels Küche mit Fumarolen, Solfataren, Schlammtöpfen usw.  Námafjall bedeutet Bergwerksberg, was auf die Nutzung schon im Mittelalter zurückzuführen ist. Hier wurde Schwefel für die Herstellung von Schiesspulver abgebaut. Dies ist heutzutage unrentabel geworden, die heißen Dämpfe werden jedoch in einer Kieselgurfabrik und für ein Elektrizitätswerk genutzt. Da die Erde hier dauernd in Bewegung ist, hat sich der ganze Berg "über Nacht" einfach um über 2 Meter verschoben!

SchlammtöpfeDie ca. 25 Hochthermalgebiete Islands befinden sich allesamt in der vulkanisch aktiven Zone, die meisten davon allerdings sehr schwer zugänglich und teilweise unter (!) Gletschern. Hier wird das Gestein im Laufe der Zeit durch die andauernde Hitzeeinwirkung von Wasser und Dampf richtiggehend zerkocht. Dadurch entstehen die blaugrauen Schlammtöpfe, die immer in blubbernder Bewegung sind. In diesem Hochthermalgebiet herrschen Fumarolen und Solfataren vor. Die Fumarolengase mit Temperaturen zwischen 200 und 800 Grad Celsius halten das breiige Grundwasser in dauernder Bewegung.  Bei Temperaturen über 400 Grad entweicht Chlorwasserstoff, Schwefeldioxid und Wasserdampf, unter 400 Grad entstehen Salmiakfumarolen. Die Solfatarenfelder Víti sind nicht ganz ungefährlich. Unter den gelben Schwefel- und weißlichen Gipsausblühungen bilden sich Hohlräume, in die man einbrechen kann. Ungefähr so, als würde man in den Kochtopf des Teufels fallen. Nicht zu vergessen der durchdringende Schwefelgeruch und das dauernde Donnern der Fumarolen. Teufels Küche, wie gesagt, aber unvergesslich.

Ganz in der Nähe befindet sich das Maar Vìti oder Helvìti (die Hölle). Das durch einen Vulkanausbruch entstandene, 320 m weite Maar war um 1700 ein stinkender Schlammpfuhl. Ab ca. dem 19. Jahrhundert füllte Krafla sich der Krater mit smaragdgrünem Wasser zu einem ca. 33 m tiefen Maar auf.

Im Vulkangebiet der 818 m hohen Krafla kann man den Weg der Lavaströme bei einem Ausbruch sehr gut verfolgen. Die Ströme des letzten Ausbruchs 1985 sind noch warm, es dampft in der kühlen Luft und die Erde ist noch gewaltig am Arbeiten. Der Lavastrom auf dem Foto stammt von dem Ausbruch 1975 - 1984. Je weiter die Lava abkühlt Pùfur und die Erosion einsetzt, desto mehr wird sie von Moosen und Flechten besiedelt, der Anfang der Begrünung. Die Natur holt sich ihre ursprüngliche Fläche zurück. Eine weitere Besonderheit stellen die Buckelwiesen, isländisch Púfur (kleine Bodenerhebung), dar. Sie entstehen durch Frosthub.

BackofenWie schon erwähnt, wird die Erdenergie des gesamten Gebietes genutzt. Im Grossen durch Kraftwerke zur Stromgewinnung, der heiße Dampf als Heizung und im Kleinen durch Gartenbau und auch zum Brotbacken! Die Trommel einer ausgedienten Waschmaschine im heißen Boden versenkt und abgedeckt: fertig ist der Backofen. Das Brot wird in den Geschäften der Region verkauft. Es sieht aus wie Pumpernickel und schmeckt süßlich. Nach 24 Stunden in der warmen Erde ist das Brot fertig "gebacken".

DimmuborgirDie "Dämmer-Burgen", Dimmuborgir, am Ostufer des Mývatn entstanden vor ca. 2000 Jahren durch die sogenannte "Jüngere Laxá-Lava". Der Lavastrom wurde am Weiterfließen gehindert, staute sich zu einem ca. 1 km großen See und erhitzter Wasserdampf stieg wie in einem Kamin vom feuchten Untergrund nach oben. Mit der Zeit erstarrten diese "Kamine". Als die Lava dann einen Durchbruch fand und abfloss, blieben sie mit ihren bizarren Formen stehen. Eine sehr gespenstische Kulisse, vor allem wenn es dunkel wird. Man erkennt Trolle, Gnome, Dimmuborgir Werwölfe und allerlei sonstige Schreckensgestalten. Tolkien lässt schön grüßen, hier ist Mordor! Angeblich hat sich ja Tolkien durch die isländische Landschaft bei seinem "Herrn der Ringe" inspirieren lassen. Aber man findet hier durchaus auch freundliche Gestalten, wie diese Westliche Kuckucksblume, eine Orchideenart. Oder plötzlich feinster schwarzer Sand mit Strandroggen, wie am Meer. Das wohl berühmteste Gebilde ist die Kirkja. Eine riesige Lavahöhle mit "Altar", fast wie eine Kirche.Kirkja

Dann Abschiednehmen von den Dämmer-Burgen und erst mal im öffentlichen Schwimmbad von Reykjahlid eine Runde Schwimmen und Aufwärmen im Hot-Pot.

 

 

PseudokraterUm noch eine Attraktion am Mývatn genießen zu können, haben wir uns einen kleinen Flieger bei der "Mýflug Air" (Mýflug bedeutet Mückenflug) gechartert. Die Pseudokrater kann man nämlich am besten aus der Luft erkennen. Die rund 1000 Pseudokrater entstanden durch den Kontakt der glühendheißen Lava mit dem Wasser des Sees. Das durch die Hitze der Lava explosionsartig verdampfende Wasser suchte sich einen Weg nach oben. Da diese Krater keinen Förderkanal haben, werden sie Pseudokrater genannt. Nach ausgiebigem Rundflug um den See und Überflug des Tuffsteinrings des 150 m hohen und 2500 Jahre alten Hverfjallkraters war unser Tag  fast zu Ende.Speisesaal

Aber doch noch nicht ganz! Nach dem Abendessen habe ich mich auf einen langen Spaziergang durch die Lavaströme gewagt, Kontakt mit Islandpferden aufgenommen, und das Städtchen Reykjahlid etwas näher erkundet. Beim Ausbruch von Vìti und Leirhnjúkur im Jahre 1725 - 1729 wurde über 1 qkm Lava gefördert, die die Kirche von  Reykjahlid wie durch ein Wunder umflossen hat: Das Mývatn-Feuer oder Mývatn-Eldar. Mitten auf diesem berühmten Lavastrom liegt übrigens der Speisesaal unserer Unterkunft.

Abendstimmung am SeeAbendstimmung am See. Hier habe ich Abschied genommen von der wunderbaren Umgebung des Mývatn. Der See ist 37 qkm groß und damit der viertgrößte See Islands. Er ist an den tiefsten Stellen nur bis zu 5 m tief. Mývatn heißt übrigens Mückensee, jedoch haben wir gottseidank keine einzige gesehen. Normalerweise ist das nicht so. Aber wir sind halt doch Glückskinder ;-).

zurück weiter Seitenanfang Home - Island Home


Mein Gästebuch

Impressum
© 1998 - 2005 Copyright by Tritops