| Ein
reiner Besichtungstag: Viel zum Anschauen, wenig zu fahren, dafür Baden
im öffentlichen Bad (natürlich mit Hot-Pot) und Fliegen. Also mal was
ganz anderes!
Unser
erstes Ziel ist das Hochthermalgebiet Námafjall, nördlich des Mývatn gelegen, Teufels Küche mit Fumarolen, Solfataren, Schlammtöpfen usw.
Námafjall bedeutet Bergwerksberg, was auf die Nutzung schon im Mittelalter zurückzuführen ist. Hier wurde Schwefel für die Herstellung von Schiesspulver
abgebaut. Dies ist heutzutage unrentabel geworden, die heißen Dämpfe werden jedoch in einer Kieselgurfabrik und für ein Elektrizitätswerk genutzt.
Da die Erde hier dauernd in Bewegung ist, hat sich der ganze Berg "über Nacht" einfach um über 2 Meter verschoben!
Die
ca. 25 Hochthermalgebiete Islands befinden sich allesamt in der vulkanisch aktiven Zone, die meisten davon allerdings sehr schwer zugänglich und teilweise
unter (!) Gletschern. Hier wird das Gestein im Laufe der Zeit durch die andauernde Hitzeeinwirkung von Wasser und Dampf richtiggehend zerkocht. Dadurch
entstehen die blaugrauen Schlammtöpfe, die immer in blubbernder Bewegung sind. In diesem Hochthermalgebiet herrschen Fumarolen und Solfataren vor.
Die Fumarolengase mit Temperaturen zwischen 200 und 800 Grad Celsius halten das breiige Grundwasser in dauernder Bewegung. Bei Temperaturen über
400 Grad entweicht Chlorwasserstoff, Schwefeldioxid und Wasserdampf, unter 400 Grad entstehen Salmiakfumarolen. Die Solfatarenfelder
sind nicht ganz ungefährlich. Unter den gelben Schwefel- und weißlichen Gipsausblühungen bilden sich Hohlräume, in die man einbrechen kann. Ungefähr
so, als würde man in den Kochtopf des Teufels fallen. Nicht zu vergessen der durchdringende Schwefelgeruch und das dauernde Donnern der Fumarolen.
Teufels Küche, wie gesagt, aber unvergesslich.
Ganz in der Nähe befindet sich das Maar Vìti oder Helvìti (die Hölle). Das durch einen
Vulkanausbruch entstandene, 320 m weite Maar war um 1700 ein stinkender Schlammpfuhl. Ab ca. dem 19. Jahrhundert füllte
sich der Krater mit smaragdgrünem Wasser zu einem ca. 33 m tiefen Maar auf.
Im Vulkangebiet der 818 m hohen Krafla kann man den Weg der Lavaströme bei einem Ausbruch
sehr gut verfolgen. Die Ströme des letzten Ausbruchs 1985 sind noch warm, es dampft in der kühlen Luft und die Erde ist noch gewaltig am Arbeiten.
Der Lavastrom auf dem Foto stammt von dem Ausbruch 1975 - 1984. Je weiter die Lava abkühlt
und die Erosion einsetzt, desto mehr wird sie von Moosen und Flechten besiedelt, der Anfang der Begrünung. Die Natur holt sich ihre ursprüngliche Fläche
zurück. Eine weitere Besonderheit stellen die Buckelwiesen, isländisch Púfur (kleine Bodenerhebung), dar. Sie entstehen durch Frosthub.
Wie
schon erwähnt, wird die Erdenergie des gesamten Gebietes genutzt. Im Grossen durch Kraftwerke zur Stromgewinnung, der heiße Dampf als Heizung und im
Kleinen durch Gartenbau und auch zum Brotbacken! Die Trommel einer ausgedienten Waschmaschine im heißen Boden versenkt und abgedeckt: fertig ist der
Backofen. Das Brot wird in den Geschäften der Region verkauft. Es sieht aus wie Pumpernickel und schmeckt süßlich. Nach 24 Stunden in der
warmen Erde ist das Brot fertig "gebacken".
Die
"Dämmer-Burgen", Dimmuborgir, am Ostufer des Mývatn entstanden vor ca. 2000 Jahren durch die sogenannte "Jüngere Laxá-Lava".
Der Lavastrom wurde am Weiterfließen gehindert, staute sich zu einem ca. 1 km großen See und erhitzter Wasserdampf stieg wie in einem Kamin vom feuchten
Untergrund nach oben. Mit der Zeit erstarrten diese "Kamine". Als die Lava dann einen Durchbruch fand und abfloss, blieben sie mit ihren
bizarren Formen stehen. Eine sehr gespenstische Kulisse, vor allem wenn es dunkel wird. Man erkennt Trolle, Gnome,
Werwölfe und allerlei sonstige Schreckensgestalten. Tolkien lässt schön grüßen, hier ist Mordor! Angeblich hat sich ja Tolkien durch die isländische
Landschaft bei seinem "Herrn der Ringe" inspirieren lassen. Aber man findet hier durchaus auch freundliche Gestalten, wie diese Westliche
Kuckucksblume, eine Orchideenart. Oder plötzlich feinster schwarzer Sand mit Strandroggen, wie am Meer. Das wohl berühmteste Gebilde ist die Kirkja.
Eine riesige Lavahöhle mit "Altar", fast wie eine Kirche.
Dann Abschiednehmen
von den Dämmer-Burgen und erst mal im öffentlichen Schwimmbad von Reykjahlid
eine Runde Schwimmen und Aufwärmen im Hot-Pot.
Um
noch eine Attraktion am Mývatn genießen zu können, haben wir uns einen kleinen Flieger bei der "Mýflug Air" (Mýflug bedeutet Mückenflug)
gechartert. Die Pseudokrater kann man nämlich am besten aus der Luft erkennen. Die rund 1000 Pseudokrater entstanden durch den Kontakt der
glühendheißen Lava mit dem Wasser des Sees. Das durch die Hitze der Lava explosionsartig verdampfende Wasser suchte sich einen Weg nach oben. Da diese
Krater keinen Förderkanal haben, werden sie Pseudokrater genannt. Nach ausgiebigem Rundflug um den See und Überflug des Tuffsteinrings des 150 m hohen
und 2500 Jahre alten Hverfjallkraters war unser Tag fast zu Ende.
Aber doch noch
nicht ganz! Nach dem Abendessen habe ich mich auf einen langen Spaziergang
durch die Lavaströme gewagt, Kontakt mit Islandpferden aufgenommen,
und das Städtchen Reykjahlid etwas näher erkundet. Beim Ausbruch von
Vìti und Leirhnjúkur im Jahre 1725 - 1729 wurde über 1 qkm Lava gefördert,
die die Kirche von Reykjahlid wie durch ein Wunder umflossen hat:
Das Mývatn-Feuer oder Mývatn-Eldar. Mitten auf diesem berühmten Lavastrom
liegt übrigens der Speisesaal unserer Unterkunft.
Abendstimmung
am See. Hier habe ich Abschied genommen von der wunderbaren Umgebung des Mývatn. Der See ist 37 qkm groß und damit der viertgrößte See Islands. Er
ist an den tiefsten Stellen nur bis zu 5 m tief. Mývatn heißt übrigens Mückensee, jedoch haben wir gottseidank keine einzige gesehen. Normalerweise
ist das nicht so. Aber wir sind halt doch Glückskinder ;-).
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