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Land
und Leute

Der
Reiz der sechzigtausend Quadratkilometer großen Halbinsel liegt im Kontrast
des öden und kahlen Festlandes zu den artenreichen und bunten Riffen im
Roten Meer. Die Westküste des Sinai bildet der Golf von Suez, der nur
eine Tiefe von 95 Metern erreicht und an der Ostküste der Golf von Aquaba
mit 1800 Metern Tiefe.
Vor allem im südlichen Teil der Halbinsel befindet sich eine wilde Bergkulisse
aus verschieden gefärbten Gesteinsschichten, welche die geologische Entstehung eindrucksvoll schildern. Vulkanismus und seismische Bewegungen haben
vor Jahrhunderttausenden das Landschaftsbild geprägt. Die Erosion hat die zum Teil atemberaubenden Formen geschaffen.
Die Gebirge erreichen hier eine Höhe bis über 2500 Meter und der Djebel Katherin, der Katharinenberg, mit 2642 Metern ist der höchste Berg des Sinai.
Die Gesteine bestehen aus Kalksandstein in Ocker-, Gelb- und Weißtönen.
Mergel ist dunkelbraun, Feldspat ergänzt die Farbe grün und Granit bereichert die Farbpalette mit Rosa-, Grau- und Gelbvariationen, alte Lavaflächen
bringen noch schwarz ins Spiel. Dazwischen finden sich blauer Azurit und andere Halbedelsteine. Besonders der weiche Kalksandstein wird durch den ewigen Wind zu bizarren Gestalten geformt, teilweise wie Skulpturen oder auch richtige
Reliefs. Besonders gut ist das im "Coloured Canyon" zu bestaunen, für den wir leider keine Zeit mehr hatten. Zwischen
den schroffen Felsbrocken tauchen immer wieder große Sandflächen oder Dünen auf. Hier auf dem Foto besonders beeindruckend in rein weiß. Nach jeder
Kurve bietet sich dem Betrachter eine neue, atemberaubende Landschaft.
Von den asphaltierten Straßen gehen immer wieder Pisten zu den Beduinenlagern.
Wie bei den Beduinen in der Arabischen Wüste bei Hurghada ist auch hier die Arbeitsteilung festgelegt.
Die Familien leben hauptsächlich von der Viehzucht.
Die Aufgabe der Frauen ist es, die Ziegen- und Kamelherden zu hüten, Wasser holen an bis zu 30 km entfernten Wasserstellen, Holzsammeln usw.
Die Männer gehen zum Fischen, um die Familie zu ernähren, oder treiben Handel mit anderen Stämmen. Allerdings scheint es sich auch zu lohnen, selbstgefertigten
Schmuck und Halbedelsteine an Touristen zu verkaufen, ebenso Kamelritte. In letzter Zeit wurden leider immer mehr der schönen Wohnzelte durch Wellblechhütten
ersetzt. Die Beduinenstämme lebten seit Jahrhunderten mit festen Regeln und Gesetzen, die nirgends niedergeschrieben waren, weit entfernt von der Regierung
in Kairo bzw. Israels. Es gab keinen Streit, jeder wusste genau wo die unsichtbare Stammesgrenze verlief und welche Akazie oder Palme in wessen Besitz
ist. Mord, Diebstahl und andere Kapitalverbrechen waren unbekannt. Im Jahr 1967 fiel der Sinai nach dem Sechstagekrieg an Israel. Erst seit dem Friedensabkommen
von Camp David 1982 gehört er wieder zu Ägypten. Die politischen Umstände zwingen die Nomaden nun zur Sesshaftigkeit. Es wurden Krankenhäuser und Schulen gebaut
und die Stämme wurden "angesiedelt" und "ägyptisiert". Die stolzen Beduinen müssen ihre Freiheit aufgeben zu Gunsten der Ansiedelung.
Sie sollen auf einmal ihren Grundbesitz registrieren lassen, Urkunden für Heirat und Geburt vorlegen können, "schmutzige" Arbeiten verrichten
und überall Ausweise an den sog. "Checkpoints" vorzeigen. (Übrigens auch Touristen haben damit zu kämpfen, vor allem, wenn man ohne Einheimische
unterwegs ist! Besser immer jemand dabei haben, der fließend Arabisch spricht!) So werden sie gezwungen, uralte Traditionen aufzugeben um "richtige"
Ägypter zu werden, was Vor- und Nachteile mit sich bringt.
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