Schnorcheln im Roten Meer

Autor Klaus Weissenberg

SinaiAls Hobbyfotograf und begeisterter Seewasseraquarianer liegt nichts näher, als diese beiden Leidenschaften während eines Schnorchelurlaubs zu verbinden. Schon früh setzte ich das Rote Meer auf meine Wunschliste. Nun endlich, am 7. Juli, war ich dorthin unterwegs.
Auf dem Sinai angekommen gab es zwar keinen Alkohol im Hotel, dafür aber ein hauseigenes Riff, das mich so faszinierte, dass mich die zwei Kakerlaken im Zimmer nicht störten.
Da ich ein einfaches Hotel, eben mit besagtem Hausriff, gewählt habe, musste ich beim Komfort einige Abstriche machen. Das Leitungswasser war meist leicht salzig, der Service ließ jedoch nichts zu wünschen übrig. Dieser Abschnitt am Golf von Aquaba ist auch kein Kinderparadies, da unbefangenes Rumplantschen im Wasser sich wegen Rotfeuerfischen, Muränen und Seeigelkolonien (Badeschuhe!) in direkter Strandnähe von selbst verbietet.

Vor dem HotelDer Strand ist auch grobsandig, nichts zum Sandburgenbauen. Für Leute mit Interesse an der Meeresflora und -fauna befindet sich hier allerdings das Paradies. Bereits beim ersten Schnorchelgang entdeckte ich ein Anemonenfischpärchen, das auch gleich seine Anemone vehement verteidigte und versuchte, mich wegzulocken. Die Beiden gewöhnten sich allerdings im Lauf der Zeit immer mehr an mich und zeigten gegen Ende der Woche kein gesteigertes Interesse an meiner Anwesenheit mehr.
Es mag sein, dass das Tauchen noch ein größeres Erlebnis ist. Das Außenriff von „unten" zu betrachten ist sicherlich auch atemberaubend. Jedoch hat das Schnorcheln gegenüber dem Tauchen den Vorteil, keiner Zeitbeschränkung zu unterliegen. Gerade beim Fotografieren jedoch ist Zeit ein wesentlicher Faktor.

RiffAm 2. Tag begegnete mir direkt am Strand eine ca. 30 cm lange Sternfleckmuräne, die es mit der Flucht gar nicht eilig hatte. Später hatte ich noch ein Rendezvous mit so einem Tier weiter draußen im Vorriff. Das beeindruckendste Erlebnis hatte ich am 3. Tag mit einem Rotfeuerfisch. Er stand nur wenig entfernt von mir majestätisch im Wasser und ich versuchte natürlich, ihn gut auf ein Foto zu bekommen. Leider war damit das letzte Foto verschossen und die Kamera begann, den Film zurückzuspulen. Dieses Geräusch hat ihn so irritiert, dass er ziemlich entschlossen direkt auf mich zuschwamm. Der Respekt vor diesem Tier hat nun mich in die Flucht getrieben. Gottlob sind Rotfeuerfische nur kurzzeitig besonders schnell.
Auf meiner Schnorcheltour am 4. Tag überschwamm ich wohl ein im Sand verstecktes Gelege mit Eiern, was nun ein Picasso-Drückerfisch nicht so gut fand. Er begann, mehrere Attacken gegen mich zu schwimmen. Da die Abstände vor dem Abdrehen immer kürzer wurden, hat auch hier der Fisch gewonnen! Allerdings sind dabei einige gute Fotos entstanden.

RiffAm 5. Tag überlegte ich mir gerade, ob ich meine Schnorcheltour für heute abbrechen sollte, da das Wasser im Vorriff ziemlich kalt ist, sobald an einer Stelle eine Verbindung zum Außenriff besteht. Auf dem Rückweg umschwamm ich einen Korallenstock und plötzlich steht ein Imperator vor mir, in nur 60 cm Wassertiefe! Da war auch auf einmal das Wasser nicht mehr kalt! Auch hier sind einige Fotos entstanden. In demselben Korallenstock habe ich noch einen Pterois radiata (Rotfeuerfisch) gesehen, der aber leider seine Höhle nicht verlassen hat. Ein besonders schönes Exemplar eines Diadem-Husars hatte leider ebenfalls kein Interesse, sich zu zeigen.

RiffGegen Ende meines Schnorchelurlaubs tummelten sich in den Seeigelkolonien Tausende von Jungfischen, als wollten sie sagen: Komm wieder, und Du siehst auch uns erwachsen! Ich denke, ich werde den Fischen den Gefallen tun! Mit jedem Tag Schnorcheln wächst die Ehrfurcht vor der Natur mehr. Der faszinierende Anblick des Riffs lässt den Betrachter kaum wieder los. Das Vorriff mit großen Schwärmen von Braunen Doktorfischen, Papageienfische, Kugelfische, Kofferfische, Drückerfische, 3 Arten von Rotfeuerfischen, Hunderte von Lippfischen, Falterfische, Riffbarsche in jeder Variation, Schleimfische, Eidechsenfische, Krokodil-Hornhechte direkt unter der Wasseroberfläche, Zackenbarsche und jede Menge Kleintiere (Seesterne, Einsiedlerkrebse, Schlangenaale, Garnelen, Federsterne, verschiedene Arten von Seeigeln, Seewalzen usw.), die man beim Tauchen eher nur nebenbei betrachtet. Auch verschiedenste Korallen sind hier zu finden, u.a. pumpende Xenia. Nicht zu vergessen verschiedene Algenarten. Sehr beeindruckend ist auch das Überschwimmen der Außenriffkante, die hier ca. 10 m steil in die Tiefe reicht.
Korallenstöcke von Lastwagenhöhe türmen sich auf, ein unglaubliches Spiel von Formen und Farben. Hier tummeln sich die großen Vertreter der Meeresfauna: ausgewachsene Papageienfische, Pfauenkaiser, Doktorfische von Suppentellergröße, Falterfische, Kofferfische usw. Besonders beeindruckt haben mich 4 Riesen-Kugelfische (ausgewachsen ca. 1,20 m), die mich, nachdem sie ihre anfängliche Scheu überwunden hatten, in nur 2-3 m Entfernung umschwammen. Hier wird einem klar, dass man hier nur Gast in einem riesigen „Aquarium" ist.

Fazit: Schnorcheln im Roten Meer, ein Urlaub für Individualisten.

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